Zwei junge Menschen in Berlin, die weder Halt noch Orientierung haben: Die junge Kriegsflüchtige Irina hat es nach Berlin verschlagen, wo sie sich als Prostituierte über Wasser halten muss. Der traumatisierte Punk Kalle ist obdachlos. Die beiden finden zueinander und schaffen es sogar, sich in einer gemeinsamen Wohnung, in der Irina ihre Freier empfängt, ein bescheidenes Leben aufzubauen. Als einer von Irinas Kunden plötzlich tot zusammenbricht, beschließt das junge Paar nach anfänglicher Panik, für sein Glück zu kämpfen.
Bei Doris Dörries neuester Drehbuch- und Regiearbeit handelt es sich um die Verfilmung einer Geschichte aus Ferdinand von Schirachs erfolgreichem Erzählband "Verbrechen", der allein in Deutschland über 450.000 Mal verkauft wurde und als Übersetzungsvorlage bereits in 30 Ländern liegt. Eine außergewöhnliche, einfühlsame und fesselnde Liebesgeschichte, wie sie nur das Leben selbst schreiben kann - und damit genau Doris Dörries Herangehensweise an Filmstoffe entspricht.
Warmherzige Komödie um die Freundschaft zwischen einem Gelähmten und seinem neuen Pfleger, die aus verschiedenen sozialen Schichten stammen.
Der arbeitslose und frisch aus dem Knast entlassene Driss bewirbt sich pro forma als Pfleger beim querschnittsgelähmten reichen Erbe Philippe, um den Stempel für die Arbeitslosenunterstützung zu bekommen. Gegen jede Vernunft engagiert ihn der reiche Aristokrat, weil er spürt, dass dieser farbige Junge aus der Banlieue ihm nicht mit Mitleid begegnet. Statt mit dem Behindertenauto düsen die beiden bald mit dem Maserati durch Paris, rauchen Joints, laden schon mal zu einer Orgie ein. Beide respektieren sich, und Philippe gewinnt neue Kraft für das, was ihm vom Leben bleibt.
Kein kitschiges Behindertenmärchen, sondern eine Reflexion darüber, was es heißt, nicht mehr die Kontrolle über den Körper zu haben und von der Hilfe anderer abhängig zu sein, sich gegen Mitleid wehren zu müssen. Von einer wahren Geschichte inspiriert, erzählt die Tragikomödie mit viel (Galgen-)Humor, aber auch mit Ernsthaftigkeit und ohne Larmoyanz, Pathos oder einen falschen Ton von einer Freundschaft, die zwei Menschen das Überleben ermöglicht. Auch eine soziale Metapher auf das alten in Privilegien verhaftete Frankreich und das neue und vitale, das in Zukunft auf junge Einwanderer baut.
Die 1940 in Solingen geborene, in Essen und New York ausgebildete Tänzerin Pina Bausch zählt zu den bedeutendsten Choreografinnen der Welt. 1973 wird sie Leiterin des Balletts in Wuppertal und tauft es in Tanztheater um. Ihre Stücke und Choreografien, die auch Oper, Operette und internationale U-Musik aufgreifen und inhaltlich auch Alltägliches integrieren, sind vielfach ausgezeichnet worden. Ihr Theater ist verspielt, komisch, tragisch, überraschend, setzt auf ausdrucksstarkes Kostümbild und den Einsatz von Wasser und Erde.
Wim Wenders widmet Pina Bausch und ihrem Tanztheater Wuppertal eine mitreißende Hommage in 3D. Ursprünglich sollte sie selbst mitspielen. Durch ihren plötzlichen Tod während der Vorbereitung des Films sprechen nun die von ihr ausgewählten Choreografien für ihr künstlerisches Talent. Und die 3D- Technik ermöglicht dem Zuschauer eine authentische Erfahrung. Besonders reizvoll sind die Tanzszenen außerhalb der Bühne an Wuppertaler Locations. Miniporträts der Company-Mitglieder ergänzen die Verbeugung vor einer der ganz Großen des Tanztheaters.
Quelle: Blickpunkt:Film
FSK ab: ohne Altersbeschränkung (Dokumentarfilm 107 Min.)
Der eigenbrötlerische Roberto, Inhaber eines Eisenwarengeschäfts in Buenos Aires, führt ein belangloses, abgeschiedenes Leben. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit sich selbst und einer Sammlung von Zeitungsausschnitten zu kuriosen Geschehnissen. Bis eines Tages der Chinese Jun in sein Leben tritt und dieses gehörig auf den Kopf stellt. Jun spricht kein Wort Spanisch, ist noch völlig orientierungslos in der Stadt und wurde schon bei seiner Ankunft ausgeraubt. Missmutig nimmt sich Roberto seiner an und lernt sich dabei selbst neu kennen.
Ein modernes Märchen mit südamerikanischem Lokalkolorit über die Tragik der Einsamkeit und den unverhofften Weg aus derselben, der durch den Zusammenprall mit etwas Gegensätzlichem ermöglicht wird. Gerade die Konfrontation mit einer anderen Kultur bewirkt bei dem festgefahrenen Roberto, dass ihm seine eigene Misere bewusst wird und er nun anfängt, an sich selbst zu arbeiten. Eine universelle, tragikomische Geschichte von Regisseur Sebastián Borensztein mit sympathischen Protagonisten, die einem sofort ans Herz gehen.
Der 18-jährige Jonas, gespielt von Christian Ulmen, erhält von der Paul-Dessau-Gesamtschule in Brandenburg eine letzte Chance, seinen bislang verpatzten Schulabschluss nachzuholen. So besucht er sechs Wochen lang eine echte Schule mit ebenso echten Schülern und Lehrern. Plötzlich sieht er sich wieder in jene traumatischen Situationen versetzt, in denen er sich früher angsterfüllt die Blöße beim Lösen von Matheaufgaben an der Tafel geben musste. Hinzu kommen die ganz normalen Probleme der Pubertät in ihren vielseitigen Erscheinungsformen.
Nach dem erfolgreichen Reality-Format "Mein neuer Freund" betritt Grimme-Preisträger Christian Ulmen wieder Neuland im Filmgeschehen und besucht in einer ganz und gar nicht altersgemäßen Rolle als Schüler wieder die Gesamtschule. In dem neuen Filmprojekt von Regisseur Robert Wilde, der auch "Mein neuer Freund" inszenierte, geht es jedoch nicht darum, auf Kosten anderer zu provozieren. Es ist einerseits ein Experiment, das Ulmen mit seinem persönlichen Schultrauma konfrontiert, aber andererseits werden die aktuellen Sorgen, Ängste und Freuden moderner Schüler eingefangen.
Im Teheran des Jahres 1958 geht beim heftigen Streit zwischen dem begnadeten Geiger Nasser Ali und seiner Frau das wertvolle Instrument zu Bruch. Ein Moment, in dem auch seine Seele in tausend Stücke zerspringt. Er macht sich auf die Suche nach einem Ersatz, aber selbst die angeblich von Mozart stammende Stradivari kann ihn nicht trösten. Seine Violine bedeutet ihm das Leben, wenn er sie zum Klingen brachte, war er seiner großen und unerfüllten Liebe ganz nah, sie erfüllte sich in der Musik. Nun will er sterben und lässt die wichtigsten Ereignisse noch einmal Revue passieren.
In ihrem ersten Live-Action-Movie lässt Marjane Satrapie erneut ein Stück Familiengeschichte einfließen, mischt Vergangenheit und Gegenwart. Bei der Erkundung des Imaginären verlässt der Film den Rahmen des Realistischen und führt in eine längst vergangene und vergessene Epoche, in der die vom westlichen Stil beeinflusste iranische Mittelschicht nach ihren traditionellen Moralcodices handelt. In der nostalgischen Atmosphäre des in Babelsberg nach gebauten Teheran wirken die gewagten Bildkompositionen wie verwunschen. Großer Kitsch, aber unwiderstehlich schön.
Eden-Saloon, das New Eden, Eden-Playboy-Club, Kabarett Schlüsselloch und das Big Eden: Alles Westberliner Institutionen. Was wäre wohl aus dem Kudamm geworden, wäre vor 60 Jahren nicht Rolf Eden aufgetaucht, um dort das wilde Leben auszurufen. Dabei hatte auch der Partymacher schon ganz andere Zeiten erlebt: Mit seinen jüdischen Eltern wandert er zu Beginn der Nazi-Zeit von Berlin nach Palästina aus. Im Israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 kämpfte er als Elitesoldat in der ersten Reihe. 15.000 Nächte ohne Schlaf, 100.000 Flaschen Champagner und 3.000 Frauen später hat der mittlerweile 81-Jährige nichts von seiner Lebensfreude verloren und genießt immer noch jede Aufmerksamkeit, die ihm eine Kamera schenkt.
Carl Gustav Jung, Leiter einer psychiatrischen Klinik, wendet Sigmund Freuds Psychoanalyse bei seiner Patientin Sabina Spielrein an. Die Frau - schön, aggressiv und gebildet - leidet unter hysterischen Anfällen. Der verheiratete Wissenschaftler verliebt sich in sie und beginnt 1906 aufgrund dieser "therapeutischen Grenzverletzung" mit Freud zu korrespondieren. Die Analyse Spielreins endet, als ihre Beziehung bekannt zu werden droht. Jung lässt die Frau fallen, die daraufhin bei Freud vorspricht, um nun selbst Psychiaterin zu werden.
David Cronenbergs Adaption von Christopher Hamptons ("Gefährliche Liebschaften") Theaterstück "Die Methode". Eine mit Michael Fassbender, Viggo Mortensen und Keira Knightley vorzüglich besetzte Dreiecksgeschichte, von Peter Suschitzky ("Mars Attacks!") an Wiener und Zürcher Originalschauplätzen erlesen fotografiert. Cronenberg arbeitete bei der kanadisch-deutschen Co-Produktion zum dritten Mal mit Mortensen zusammen - ebenso wie mit dem britischen Ausnahmeproduzenten Jeremy Thomas ("Naked Lunch", "Crash").
Zwei Ehepaare, Penelope und Michael respektive Nancy und Alan, stehen sich als Gastgeber und Gäste gegenüber. Penelope und Michaels Sohn hat bei einer Schlägerei zwei Zähne eingebüßt und Nancy und Alans Jungen als Täter genannt. Jetzt will man sich aussprechen, entschuldigen beziehungsweise verzeihen, über alles reden. Zunächst geht es noch gesittet zu, der gemütliche Michael reicht die Hand zur Versöhnung. Da eskaliert die Lage. Die beiden Parteien beginnen sich aufs Schlimmste zu beharken.
Verfilmung des gleichermaßen populären wie erfolgreichen Theaterstücks "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza, die einen scharfsinnigen Blick hinter die Kulissen der Bürgerlichkeit wirft. Die französische Theaterautorin hat gemeinsam mit Regisseur Roman Polanski die Drehbuchadaption übernommen, den Schauplatz vom gutbürgerlichen Paris nach Brooklyn versetzt. Neben den groß aufspielenden Stars Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly besticht das Szenenbild von Dean Tavoularis ("Der Pate").
Der Schock sitzt tief bei Hartmut Machowiak, als ihm seine Frau nach 30 Ehejahren unterbreitet, dass sie sich scheiden lässt. Plötzlich muss der penible, überkorrekte und meist missgelaunte Taxifahrer, der nichts so sehr hasst wie Veränderungen, sein Leben neu ordnen. Da ist es wenig zuträglich, als eines Tages die sechsjährige Hayat, die kein Wort Deutsch spricht, allein in seinem Taxi auftaucht und nicht mehr von seiner Seite weicht. Notgedrungen nimmt Hartmut die Kleine bei sich auf und macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter.
Mit der Tragikomödie um einen Misanthropen, der durch die Begegnung mit einem Kind aus Selbstmitleid und Lethargie gerissen wird, liefert Christian Zübert ("Lammbock") sein bisher bestes Leinwandstück ab. Elmar Wepper zeigt im Spätherbst der Karriere nach "Kirschblüten - Hanami" erneut eine herausragende Leistung, die aber von dem erst sechsjährigen Berliner Naturtalent Mercan Türkoglu noch getoppt wird. In manchen Momenten erinnert der Mix aus Culture-Clash-Drama und Selbstfindungstrip an Jan Sveráks genialen Oscar-Sieger "Kolya".
Das amerikanische Paar Gil und Inez macht Urlaub in der französischen Hauptstadt und genießt die gemeinsame Zeit in der Stadt der Liebe. Als sie einen alten Bekannten, den kulturell beflissenen Intellektuellen Paul, treffen, tut sich vor allem Gil mit der unerwarteten Begleitung nicht leicht. Als eines Abends Inez mit Paul tanzen gehen will, Gil aber keine Lust hat, streift er allein durch Paris und erlebt die Nacht seines Lebens - was natürlich Auswirkungen auf die Beziehung hat.
Nach London und Barcelona dreht Woody Allen seine dritte Liebeserklärung an eine europäische Metropole. Dieses Mal verschlägt es ihn nach Paris, die dabei für Allen - typisch für ihn - mehr als nur hübsche Kulisse ist. Mit seinem unverkennbaren Humor und Gespür für treffsichere Dialoge, lockt der Altmeister wieder einmal eine hochkarätige Besetzung vor die Kamera, unter anderem Owen Wilson, Rachel McAdams, Michael Sheen und Präsidentengattin Carla Bruni. Dabei geht er der altbekannten Frage nach dem vermeintlich besseren Leben der anderen nach, um letztlich vor allem wieder das Leben an sich zu feiern.